Ein zukunftsfähiger Schritt für Schlangen
Kaum ein Thema bewegt Schlangen derzeit so sehr wie das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK). In der Diskussion entsteht oft der Eindruck, man könne sich zwischen ISEK und einer sparsamen Haushaltsführung entscheiden. Das greift jedoch zu kurz. Im Ortskern haben Straßenbelag und Untergrund ihre besten Jahre hinter sich, und auch das Kanalnetz braucht vielerorts eine Sanierung. Diese Aufgaben warten auf die Gemeinde, ganz gleich, wie über das Konzept entschieden wird.
Zur Wahl stehen daher zwei Wege. Der Erste: ein umfassendes Konzept, das über Jahre offen und unter Beteiligung der Bürgerschaft entwickelt wurde und auf hohe Zuschüsse setzen kann. Der Zweite: dieselben Reparaturen Stück für Stück, jede für sich, ohne Abstimmung untereinander und mit ungewisser Aussicht auf Förderung. Heute wird eine Straße aufgerissen, im nächsten Jahr die daneben. Unterm Strich dürfte dieses Vorgehen die Gemeinde mehr kosten.
Das ISEK verbindet die fälligen Bauarbeiten mit dringend notwendigen Anpassung an den Klimawandel. Zusätzliche Bäume und Grünflächen spenden Schatten und kühlen die Ortsmitte im Sommer. Werden Beläge und Kanäle aufeinander abgestimmt erneuert, kann Regenwasser bei Unwettern besser aufgenommen und abgeleitet werden, wodurch weniger Keller volllaufen. Wenn der Boden ohnehin geöffnet wird, ist das der günstigste Moment für solche Verbesserungen.
Beim Parken sieht das Verkehrskonzept sogar ein kleines Plus vor: Dem errechneten Bedarf von 40 Stellplätzen in der Ortsmitte und Im Dorfe stehen künftig 44 gegenüber. Mit der Einführung einer Parkscheibenpflicht bleiben die Plätze weiterhin kostenfrei, sollen aber häufiger wechseln und so vor allem Kundinnen und Kunden zur Verfügung stehen, während Berufspendler auf Flächen in der Umgebung ausweichen. Von breiteren, hindernisfreien Wegen profitieren alle, die zu Fuß, mit Rollator, Kinderwagen oder mit dem Rad unterwegs sind.
Laut Gemeinde umfasst das Vorhaben rund elf Millionen Euro, verteilt auf etwa ein Jahrzehnt. Fließen Zuschüsse in Höhe von bis zu 70 Prozent, trägt Schlangen selbst etwa 3,3 Millionen Euro, umgerechnet rund 35 Euro pro Kopf. Grundlage sind öffentliche Workshops, eine Befragung, digitale Mitwirkungsmöglichkeiten sowie Verkehrs- und Parkraumanalysen, die seit 2023 laufen.
Wachsam bleiben muss man dennoch: Die Gemeindefinanzen sind angespannt, der Förderbescheid steht aus, Preise am Bau können anziehen, und jedes Einzelprojekt gehört erneut auf den Prüfstand. Wer Details hinterfragt, leistet einen wichtigen Beitrag. Ein kompletter Abbruch würde jedoch keinen Euro sparen. Die Arbeiten würden nur vertagt, Zuschüsse blieben liegen und der klimafeste Umbau fände nicht statt. Bezahlen müssten das die Menschen, die nach uns in Schlangen leben.
Die Gemeinde Schlangen hat auf Ihrer Seite Details zu den Planungen (Externer Link – Gemeinde Schlagen – ISEK: Zukunft für die Schlänger Ortsmitte) veröffentlicht – wir möchten an dieser Stelle ausdrücklich allen beteiligten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Gemeinde für die geleistete Arbeit danken!
Auf einige, der aus unserer Sicht besonders wichtigen Aspekte, möchten wir in den folgenden Snippets kurz eingehen.
Quellenhinweis:
Alle Bilder stammen aus der Präsentation „Vorstellung Politik_08.09.2026 final.pdf“ der Gemeinde Schlangen.
Die Ortsmitte wird zu einem Ort, an dem sich Menschen gerne treffen und aufhalten!
Nicht nur durch neue Grünflächen, sondern auch durch mehr Platz, sichere Wege, Sitz- und Spielgelegenheiten wird das Angebot für alle Generationen deutlich attraktiver gestaltet.

Gerade der Platz um den Gemeindebrunnen (am Rathaus) als auch der geplante Generationenpark lädt zum Verweilen ein
Der Wochenmarkt als auch der lokale Handel werden davon deutlich profitieren – der Zusammenhang zwischen Aufenthaltsdauer und lokalem Konsum ist bereits seit langem bekannt und gut bewiesen.
+ Neue Sitzgelegenheiten, Schattenbereiche und barrierefreie Wege schaffen Raum für Begegnung und Aufenthalt.
+ Lokale Angebote werden durch die längere Verweildauer besser wahrgenommen und stellen eine Chance für Handel und Gastronomie dar.
+ Ein durchdachtes Verkehrskonzept sichert eine gute Erreichbar für alle Mobilitätsformen (Auto, Fahrrad als auch Fußgänger) sicher.

Die Art wie wir uns Fortbewegen hat sich in den letzten 30 Jahren deutlich verändert und dieser Wandel wird sich in den kommenden Jahren weiter beschleunigen.

Autos werden immer größer, Fahrräder spielen eine deutlich größere Rolle und gerade E-Bikes fahren immer schneller und zwischen all dem gilt es die Fußgänger zu schützen.
Die heutige Raumaufteilung entspricht schon lange nicht mehr diesen neuen Anforderungen.
Das Verkehrskonzept berücksichtigt all diese Punkte, blickt nach vorne und sichert die Zukunftsfähigkeit und Erreichbarkeit der Ortsmitte. Ganz wesentliche Punkte um die lokale Wirtschaft zu stärken.
+ Zeitgemäße und bequeme Parkmöglichkeiten vor Ort
+ Verfügbarer Parkraum für Kunden und Gäste durch Parkscheibenregelung
+ Platz für Radfahrer
+ Sicherheit für Fußgänger

Seit Jahren ist die Verkehrssituation am Schulzentrum ein Dauerthema im Dorf und alle bisherigen Lösungsversuche haben die Probleme nicht entschärfen können. Weiterhin kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen zwischen Autos und Kindern – mit 3.000 Kfz/Tag (Parkstraße) und 1.000 Kfz/Tag (Rosenstraße) ist das Verkehrsaufkommen enorm.
Im Rahmen des Verkehrskonzeptes kann die Gemeinde dem Problem nun umfassend begegnen.

+ Breitere Gehwege und klar geordnete Parkstände statt Gehwegparken
+ Barrierefreie Querungsstellen
+ Verkehrsberuhigung durch einen Minikreisverkehr
Damit wird der tägliche Schulweg endlich spürbar sicherer!
Wir wissen es schon seit Jahren, aber dieses Jahr hat uns die Dringlichkeit erneut vor Augen geführt. Rekordhitze und auch Starkregenereignisse (z.B. am 31.5.2026) setzen nicht nur uns Bürgern und Bürgerinnen, sondern auch der Infrastruktur zu. Überflutungen beschädigen Straßenbeläge, gefährden privates Eigentum.

Gleichzeitig gibt es zu wenig Grünflächen und vor allem Bäume, um die Temperatur bei Hitze zu senken.
Das ISEK berücksichtigt diese unvermeidbaren zukünftigen Herausforderungen in einer Weise wie es Einzelmaßnahmen nicht können oder finanziell nicht umsetzbar wären.
+ Die Grünflächen in der Dorfmitte steigen von 380 m² auf 1.250 m² (Bäume von 8 auf 37).
+ Schwammstadt‑Elementen und Versickerungsflächen entlasten die Kanalisation
+ Schatten durch große Baumkronen steigert die Aufenthaltsqualität auch bei Hitze
Die Verkehrsinfrastruktur in der Ortsmitte ist in die Jahre gekommen. Rohre, Oberflächen und Baumstandorte müssen ohnehin erneuert werden. Das bedeutet das die Gemeinde so oder so in den nächsten Jahren investieren muss. Die Frage ist nur welchen Weg die Gemeinde einschlägt – aktuell gibt es zwei Optionen.
Option ISEK – Abgestimmte Maßnahmen über einen Zeitraum von 10 Jahren mit hohem Förderanteil und einem für den Haushalt gut planbaren Eigenanteil von ca. 330 000 € pro Jahr.
Option Einzelmaßnahmen – Kaputte Infrastruktur muss nach Bedarf erneuert oder instandgesetzt werden. Diese Maßnahmen sind in der Regel nicht Förderfähig, daher teuer und schlecht für den Haushalt planbar.
Aus unserer Sicht spricht die wirtschaftliche Vernunft hier eine klare Sprache.
Seit 2023 wird an dem ISEK unter Einbeziehung verschiedener Interessensgruppen gearbeitet – es wurden diverse Workshops und Begehungen durchgeführt. Aber wir müssen immer im Blick behalten das es sich um eine sehr umfassende Veränderung des Gemeindebildes handelt und die Umsetzung bis zu 10 Jahre dauert.
Es ist völlig normal und verständlich, dass es eine gewisse Verunsicherung, Bedenken und möglicherweise sogar Ängste gibt. Die Gemeinde muss alle Phasen der Umsetzung durch Kommunikationsmaßnahmen begleiten, wie auch wir als politische Akteure uns einbringen müssen. Gleichwohl muss es möglich bleiben an Details der Umsetzung Anpassung vorzunehmen.
Zehn Jahre sind für ein solches Projekt eine lange Zeit – daher müssen wir flexibel bleiben und wünschen uns diese Offenheit auch weiterhin von der Gemeinde.