Eine Vision für sichere und moderne Mobilität in Schlangen
Stellen wir uns eine Gemeinde vor, in der Menschen jeden Alters selbstverständlich und sicher mit dem Fahrrad unterwegs sind – so wie in den Niederlanden oder Skandinavien, wo entspannter Radverkehr zum Alltag gehört. Dieses Gefühl ist auch in NRW erlebbar: Ein Ausflug nach Münster genügt, um zu erleben, wie klare Wege, sichere Übergänge und gegenseitige Rücksichtnahme eine Stadt prägen. Zahlreiche Kommunen – etwa Paderborn oder Soest – zeigen mit ihren Fahrradstraßen, wie gut solche Lösungen funktionieren.
Das sichere Gefühl, tägliche Wege ruhig, schnell und konfliktarm mit dem Rad zurücklegen zu können, möchten wir auch in Schlangen ermöglichen – für Kinder, Jugendliche, Pendlerinnen und Pendler, Familien und alle, die sich eine moderne und sichere Mobilität wünschen.
Auch Fußgänger profitieren von klar strukturierten Mobilitätsachsen: Weniger Konflikte, besser erkennbare Querungen und ein insgesamt ruhigeres Verkehrsgeschehen erhöhen die Sicherheit und Aufenthaltsqualität für alle, die zu Fuß unterwegs sind.
Mobilitätsachsen verbindet Schulzentrum, Kindergärten und Ortsmitte
Seit 2024 arbeitet die Gemeinde Schlangen an einem Gesamtkonzept „Mobilitätsachsen in der Gemeinde Schlangen“ (Externer Link Ratsinformationssystem). Dieses Konzept umfasst die Detmolder Straße (Startpunkt Knickweg), die zu Schulzeiten besonders kritische Kreuzung Mühlenstraße sowie die Lindenstraße. Dadurch entsteht eine sichere und klare Passage zum Schulzentrum und in die Ortsmitte.
Die Achse ist so gewählt, dass auch die Kindergärten Alte Rothe, Regenbogen und Gartenstraße deutlich besser mit dem Fahrrad erreichbar sind. Für Kinder und Jugendliche bedeutet dies mehr Sicherheit, weniger Konflikte mit dem Autoverkehr und eine echte Alternative für den täglichen Weg zur Schule oder in den Kindergarten.
Bessere Anbindung von Oesterholz und den Schnellwegen nach Paderborn
Durch die geplanten Maßnahmen entsteht eine direkte Verbindung zwischen dem Radweg Fürstenallee und dem Bad Lippspringer Lönsweg. Mit den heute üblichen E‑Bikes bietet dies eine schnelle Option für Pendlerinnen und Pendler – sowohl für den Arbeitsweg als auch für den Einkauf in der Schlänger Ortsmitte.
Vorrang für Radfahrende und Fußgänger erfordern bauliche Anpassungen
Eine Fahrradstraße gibt dem Radverkehr Vorrang und schützt Fußgänger, bleibt jedoch weiterhin für den motorisierten Verkehr befahrbar. Damit diese gemeinsame Nutzung sicher funktioniert und Konflikte – sogenannte Begegnungsfälle – vermieden werden, empfehlen die einschlägigen Regelwerke eine ausreichend breite Fahrbahn.
Die Detmolder Straße erfüllt diese Anforderungen jedoch nicht durchgehend, sodass bauliche Anpassungen notwendig sind.
Je nach final beschlossener Variante können bis zu sieben Bäume sowie einzelne Parkplätze (7 von insgesamt 17) entfallen. Der Verlust von Teilen des Baumbestandes (bis zu 4 Bäume) schmerzt uns sehr, ist jedoch für eine erfolgreiche und sichere Umsetzung der Mobilitätsachse unvermeidbar. Gleichzeitig wird in der Lindenstraße ein Ausgleich geschaffen. Dort sollen 13 neue Bäume gepflanzt werden, die langfristig zur Aufwertung des Straßenraums beitragen.
Darüber hinaus sollte der bestehende Baumbestand in der Lindenstraße aus unserer Sicht besonders geschützt werden. Hierzu verweisen wir auf unseren Antrag „Antrag zur klimaresilienten Umgestaltung der Lindenstraße und zum Schutz der Alleebäume“ (Externer Link Ratsinformationssystem), der entsprechende Maßnahmen vorsieht.
Insgesamt werden wir uns als Ortsverband in dieser Legislaturperiode intensiv mit den Themen Entsiegelung, Schutz und Erweiterung des Baumbestandes sowie klimaresilienter Gestaltung des öffentlichen Raums befassen. Diese Maßnahmen leisten einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels und zur langfristigen Lebensqualität in unserer Gemeinde.
Umsetzung im Gesamtpaket – sicherer und wirtschaftlicher
Erfahrungen aus anderen Kommunen zeigen, dass die Akzeptanz solcher Konzepte steigt, wenn sie klar und umfassend umgesetzt werden. Stückwerk und inkonsequente Lösungen führen hingegen häufig zu Verwirrung, Frust und Ablehnung.
Förderprogramme unterstützen daher in der Regel nur ganzheitliche Mobilitätskonzepte. Eine sorgfältige Planung ist die Grundlage für eine erfolgreiche Bewerbung. Das von der Gemeindeverwaltung vorgelegte Gesamtkonzept ist mit dem Kreis Lippe abgestimmt und bildet aus unserer Sicht eine ideale Basis für einen erfolgreichen Förderantrag.
Bei einem Investitionsvolumen von rund einer Million Euro hätte die Gemeinde einen Eigenanteil von lediglich 10 % (ca. 100.000 €) zu leisten (siehe Beschlussvorlage Förderanträge zur Umsetzung der Mobilitätsachsen Gemeinde Schlangen – Externer Link Ratsinformationssystem).
Die Gemeinde hat die Wahl
Schlangen steht nun vor der Entscheidung, ob das Mobilitätskonzept ganzheitlich unterstützt und ein Förderantrag gestellt wird – oder ob weiterhin einzelne Maßnahmen wie Schilder, Markierungen oder „Berliner Kissen“ umgesetzt werden. Solche Einzelmaßnahmen erreichen in Summe schnell denselben Kostenumfang wie der notwendige Eigenanteil, ohne die Vorteile eines durchdachten Gesamtkonzeptes zu bieten.
Nutzen wir die Chance – für eine attraktive und sichere Gemeinde
Als Ortsverband Bündnis 90/DIE GRÜNEN sehen wir in dem Mobilitätskonzept einen wesentlichen Baustein, um die Mobilitätswende zu beschleunigen und die Attraktivität der Gemeinde Schlangen nachhaltig zu erhöhen. Gerade für junge Verkehrsteilnehmer sowie Pendlerinnen und Pendler bietet dieser umfassende Ansatz eine große Chance für eine Lösung mit hoher Akzeptanz und geringen Kosten – sofern der Förderantrag bewilligt wird.
Daher unterstützen das Mobilitätskonzept vollumfänglich und bedanken uns bei der Gemeindeverwaltung für die gute Planung und Vorstellung. Entsprechend haben wir auch für den Förderantrag gestimmt!
Konfuses Abstimmungsverhalten der SPD
Leider waren sich nicht alle Fraktionen so einig. Durch den Widerstand der CDU als auch SPD (siehe Protokoll Ausschuss Gemeindeentwicklung 12.5.2026 – Externer Link Ratsinformationssystem) konnte der Förderantrag nicht wie geplant in der Ratssitzung vom 19.5.2026 eingebracht werden.
Wir begrüßen jedoch, dass die CDU dem Antrag nun aber doch in der Ratssitzung vom 09.07.2026 (siehe Protokoll 9.7.2026 – Externer Link Ratsinformationssystem) zugestimmt hat und hoffen das diese Verzögerung keinen negativen Einfluss auf die Bewilligung hat.
Mit Bedauern haben wir zur Kenntnis genommen, dass die SPD den Antrag weiterhin nicht mittragen konnte.
Selbstverständlich ist dies das gute Recht jeder Fraktion und jedes Ratsmitglieds. Befremdlich wirkt jedoch, dass das Abstimmungsverhalten im Widerspruch zu Aussagen des eignen Wahlprogramms von 2025 (Externer Link auf die Seite des SPD Ortsverband Schlangen – Stand 2.8.2026) steht.
Öffentliche Diskussion – aber bitte auf Basis von Fakten
Auch der SPD‑Beitrag „Falsch abgebogen“ in der August-Ausgabe der SennePlus hat bei uns Fragen aufgeworfen. Viele der dort genannten Zahlen (z.B. Ausgaben im Millionenbereich) und Aussagen konnten wir beim besten Willen in den Ausschuss- und Ratsprotokollen nicht finden. Falls doch sind diese aus dem Kontext gegriffen oder es werden verschiedene Themen willkürlich vermischt.
Einen solchen Umgang mit Fakten kennen wir so eigentlich nur von einer anderen Fraktion und hoffen das dies nur ein sommerlicher Ausrutscher der SPD bleibt.
Wir empfehlen daher, sich anhand der hier verlinkten Protokolle und Mobilitätskonzeptes selbst ein Bild zu machen.
Was nehmen wir aus den vergangenen Tagen mit?
Auch wenn wir uns weiterhin etwas wundern, überwiegt doch die Freude über die folgenden Punkte:
- Dass die Gemeinde durch die Mehrheit von Bündnis 90/DIE GÜNEN und der Partei nun endlich den Förderantrag stellen kann.
- Dass wir mit der SPD einen weiteren Unterstützer für den Baumbestand in Schlangen gewonnen haben. Wir sind überzeugt, dass wir in diesem Bereich gut zusammenarbeiten werden.